Die Guten, die Bösen und die Häßlichen- und deren Gold

Die drei Goldjungen auf einem Filmplakat (Quelle: www.myfreewallpapers.net)Der am häufigsten besetzte Hauptdarsteller moderner Filme ist weder John Wayne, Richard Gere oder Meryll Streep, sondern ein sonnig-gelbes Edelmetall mit dem Namen Gold. Amerikanische Himmelfahrtskommandos stehlen im 2. Weltkrieg Nazi-Gold, englische Gentlemen haben Postzüge mit Goldladung auf dem Kieker und Desperados jagen in Italo – Western Golddollar-Vermögen hinterher. So auch in „The Good, The Bad, and The Ugly“ (deutscher Titel: Zwei glorreiche Halunken). Der Western von Sergio Leone bildet den dritten Teil und Höhepunkt der so genannten „Dollar“-Trilogie. Diverse Filmdatenbanken (International Movie Database) und Kritiker führen das Epos von Leone in der Liste „Bester Film aller Zeiten“ ganz vorne, in der Kategorie „Bester Western“ ist der Film Dauersieger.

 

Das Ende einer Geschäftsbeziehung...

Zur Handlung: Der namenlose, wortkarge Blonde (Clint Eastwood), der um so geschwätzigere Tuco (Eli Wallach spielt den mexikanischen Strauchdieb, der mit vollem Namen Tuco Benedicto Pacifico Juan Maria Ramirez heißt) und Sentenza (Lee van Cleef), ein sadistischer Auftragsmörder, spielen die titelgebenden Hauptrollen. Mitten im amerikanischen Bürgerkrieg haben der Blonde und Tuco eine einträgliche Geldquelle entdeckt: Der Namenlose liefert den Banditen, auf dessen Kopf etliche Golddollar ausgesetzt sind, beim nächsten Sheriff ab und kassiert die Belohnung. Bei der darauffolgenden Hinrichtung hat dann der Mexikaner stets einen blonden Schutzengel, der ihn vom Strang schießt. Die beiden teilen das Kopfgeld; das Geschäft hätte noch eine Weile so weiter gehen können, wenn nicht der Blonde die Geschäftsbeziehung einseitig aufgekündigt und Tuco in die Wüste gejagt hätte.

 

... ist der Auftakt der Jagd nach dem Goldschatz

 Zeitgleich, aber von der Haupthandlung deutlich getrennt, ist der Killer Sentenza dem Gold der 4. Division der Konföderiertenarmee auf der Spur. Tuco überlebt seinen Wüstenausflug und sinnt auf Rache. Er verfolgt den Blonden und stellt ihn. Nach dem alten Auge – um Auge – Prinzip ist es jetzt der Namenlose, der dem Tod durch Hitze und Durst ausgesetzt wird. Kurz, bevor er auf dem heißen Sand den Atem aushaucht, kommt eine führerlose Militärkutsche mit toten Südstaatensoldaten heran galoppiert. Nur einer der Grauröcke hat schwer verletzt überlebt und bittet um einen Schluck Wasser, für den er 200.000 Golddollar zu zahlen bereit ist. Als der Mexikaner zu seinem Pferd eilt, um den Wasserschlauch zu holen, ist der Blonde bereits bei dem Sterbenden, der ihm mit seinem letzten Atemzug zuflüstert, das der Schatz auf einem Friedhof in einem Grab verborgen liegt. Da der Namenlose nun im Besitz des Geheimnisses ist, verwandelt sich sein Henker (zumindest vorübergehend) in seinen Krankenpfleger, der ihn in einem nahe gelegenen Kloster wieder auf die Beine bringt. Die beiden verkleiden sich mit den Südstaatenuniformen der Toten, nur um kurze Zeit später in eine Patrouille der Unionsarmee zu geraten. Im Kriegsgefangenenlager wird Sentenza, der sich mittlerweile auf die Seite der Nordstaaten geschlagen hat, auf die Beiden aufmerksam. Als er feststellt, daß der Blonde weiß, wo sich der Goldschatz befindet, schlägt er ihm vor, das Gold gemeinsam zu suchen. Tuco soll (mal wieder) gehenkt werden, kann sich aber befreien und folgt den beiden Goldsuchern. In einem ersten Showdown, bei dem der Blonde (wieder mal) auf die Seite des Mexikaners wechselt, trennen sich die Wege der Drei. Erst auf dem Friedhof treffen sie zum Duell zu dritt wieder aufeinander.

 

Film gewordene Gold - Ekstase

Vor allem die über zwanzigminütige Schlussszene ist ein Höhepunkt der Filmkunst. Die Kamera folgt Tuco, der im Goldrausch über den riesigen Friedhof rennt. Sie umkreist den Mexikaner, das Bild wechselt in seine Perspektive, bis es sich in einer schwindelerregenden Fahrt um sich selbst zu drehen beginnt und Tuco vor dem vermeintlich richtigen Grab steht. Nachdem der Bandit in seiner Gier wie ein Hund auf allen Vieren nach dem Gold gräbt, steht der Blonde auf einmal mit gezogenem Revolver über ihm, gefolgt von Sentenza. Der Namenlose eröffnet seinen Mitstreitern / Gegnern, daß Tuco im falschen Grab gebuddelt hat, schreibt den richtigen Namen auf einen Stein, den er in die Mitte des kreisrunden Platzes legt, der das Zentrum des Friedhofes markiert. Die Duellanten stellen sich auf. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt: Die Kamera wechselt langsam zwischen Großaufnahmen der Augen der Drei und ihren Händen an den Revolvern. Immer schneller wechseln die Schnitte, bis sich die Spannung in einem einzigen Schuß entlädt. Die Kugel aus der Waffe des Blonden trifft Sentenza, der – praktischerweise – in ein frisch ausgehobenes Grab fällt. Tuco stellt fest, das seine Patronenkammer leer ist. Nun sind die Rollen wieder klar verteilt, der Blonde läßt ihn nach dem Gold im Grab eines Namenlosen buddeln- passend, denn auch auf dem Stein stand kein Name. Als Tuco von den Goldsäcken in der geöffneten Grube aufschaut, sieht er über sich ... einen Galgenstrick. Mit dem lakonischen Kommentar „Steck den Kopf durch die Schlinge, Du bist es ja gewohnt.“ zwingt ihn der Blonde auf ein wackeliges Holzkreuz zu steigen. Mit dem Kopf in der Henkersschlinge, halb erstickt und verzweifelt versucht er sein Gleichgewicht zu halten, während sein ehemaliger Partner mit der Hälfte der Golddollar das Weite sucht. Auf einem Hügel angekommen, schießt er Tuco wie in alten Zeiten vom Strick. Der Halunke fällt weich auf einen Sack mit Golddollar und bricht in eine nicht zitierfähige Kaskade von Flüchen aus.

 

Epilog

Die zynischen Charaktere, die nichts mehr mit der Aufrichtigkeit eines Gary Cooper oder John Wayne früherer Western zu tun haben, die kurzen, mit schwarzem Humor getränkten Kommentare („Es gibt zwei Kategorien von Menschen: Die einen haben einen geladenen Revolver, die anderen buddeln. Du buddelst!") und die epische Jagd nach dem Gold machen den Film zu einer Sternstunde seines Genres. Die revolutionäre Kameraführung, der häufige Wechsel zwischen extremen Großaufnahmen und Totalen, unterstützt von der großartigen Musik Ennio Morricones tuen ihr Übriges. Sergio Leone ist sicher einer der größten Regisseure aller Zeiten, der mit der Besetzung seiner Hauptrollen (Eastwood, van Cleef, Wallach) ein goldenes Händchen bewies. Genau wie bei dem heimlichen Hauptdarsteller, den Golddollar der Kriegskasse der konföderierten Armee, 4. Division. 
 

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Redakteur: PR


 

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10.03.2010, 03:48 Uhr
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