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Der Goldene Mann

Darstellung von Eldorado, Kupferstich (Quelle : Wikicommons)Legenden führen bisweilen ein Eigenleben. Sie verändern sich im Laufe der Zeit, verzweigen sich, bilden Widersprüchlichkeiten aus oder existieren in mehreren Versionen.

 

Der goldene König steigt in den See 

Das gilt in besonderem Maß für die Legende von Eldorado. Die Ursprungslegende stammt aus dem alten Kolumbien, genauer gesagt vom indigenen Volk der Muisca. Deren Herrscher fuhr anläßlich seiner Krönung auf die Mitte des Bergsees von Guatavita in Zentralkolumbien. Sein Floß war mit goldenen Schätzen beladen, er selbst von Kopf bis Fuß mit einem goldenen Harz bedeckt. Die Reise führte ihn in die Mitte des Sees. Dort glitt er ins Wasser und wusch sich den Goldstaub vom Körper. Gleichzeitig landeten auch alle goldenen Kelche, Figuren und aller Goldschmuck in den Fluten- ein Opfer für die Göttin Bachue. Mit den Jahren muß sich so auf dem Grund des Sees ein gewaltiger Schatz angesammelt haben. Mit der Eroberung Süd- und Mittelamerikas gelangte die Kunde vom Goldenen Mann (El Dorado) zu den spanischen Konquistadoren. Juan Rodríguez Freyle, ein Chronist des 16. Jahrhunderts, schrieb die Legende als erster auf. In späteren Jahren wurde die Legende immer wieder verändert und Eldorado wurde zu einem Land der Sehnsüchte für alle Schatzsucher und Glücksritter.

 

Tod einer Zivilisation und des Goldland

Die Geschichte nahm, fern aller Abenteuerromantik, eine tragische Wendung:  Die Spanier rüsteten unter dem Vizegouverneur Gonzalo Jiménez de Quesada eine Expedition, die 1535 aus der Karibik zu den Quellen des Rio Magdalena startete, wo er das Goldland vermutete. Nach unsäglichen Strapazen, Fieber, Hunger stieß er mit seinem kleinen Heer von 600 Soldaten auf Eingeborene, die ihm von einem reichen und mächtigen Land im Osten erzählten. De Quesada änderte die Reiseroute und fand das Reich der Muisca. Er ließ die Siedlungen der Indianer plündern und erbeutete neben Gold im Wert von 150.000 Pesos über 200 Smaragde. Aber der Eroberer war nicht alleine auf dem Hochplateau über dem heutigen Bogotá. Fast zeitgleich traf eine Söldnertruppe unter Führung des Spaniers Sebastían de Belalcázar ein; kurz danach stieß der Deutsche Nikolaus Federmann mit seinen Landsknechten, der im Auftrag des Augsburger Kaufmannshauses Welser nach amerikanischen Goldquellen fahndete, dazu. Ein heikle Situation, jedoch: Die drei Heerführer wurden sich rasch einig. Gemeinsam fielen sie über die Einwohner des mittelamerikanischen Landes her und vernichteten die alte indianische Kultur vollständig.

 

Goldenes Floß als Beweis für Eldorado

Wie jede Legende, so scheint auch der Mythos von Eldorado einen wahren Kern zu besitzen. Das „Goldfloß von Eldorado“ (600 v.Chr. – 1600 n.Chr.) ist ein massiv goldenes Artefakt, daß die Opferhandlung für die Göttin Bachue darstellt. Es ist 18 Zentimeter lang und wurde zufällig 1968 in einer Höhle in der Nähe der einstigen Muisca-Siedlungen entdeckt. Heute wird es im Museo del Oro in der kolumbianischen Hauptstadt ausgestellt.
Die drei Konquistadoren fanden keine goldene Stadt, keinen mit goldenen Schätzen gefüllten Bergsee, erst recht kein goldenes Land. Immerhin: Die Eindringlinge gründeten die Stadt Bogotá.
 

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Redakteur: PR


 

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